Bestwig/Wadersloh/Diestedde (mw). Heimbewohner müssten länger mehr zuzahlen. Nach dem Referentenentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz sollen die Zuschüsse, die den pflegebedingten Eigenanteil mit den Jahren senken, stufenweise später greifen. Weil die Verweildauer in der stationären Pflege nach Angaben der Seniorenhilfe SMMP sinkt, liefe das für einen Teil der Bewohnerinnen und Bewohner auf höhere Zuzahlungen hinaus.

Über die Folgen hat die Seniorenhilfe SMMP mit Dirk Wiese gesprochen, dem Bundestagsabgeordneten für den Hochsauerlandkreis und Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD‑Bundestagsfraktion. Das Gespräch fand am 14. September 2026 im Bergkloster Bestwig statt. Teil nahmen Geschäftsführer Frank Pfeffer und die Regionalleiterinnen Sylvia Metche und Derya Schnathmann. Zuvor hatte sich das Unternehmen schriftlich an den Abgeordneten gewandt.
Der Referentenentwurf vom 5. Juni 2026 ist nicht beschlossen.
In Wadersloh betreibt die Seniorenhilfe SMMP das Haus Maria Regina in Diestedde und das Haus St. Josef in Wadersloh sowie einen mobilen Menü-Service.
Betroffen sind auch die Menschen, die zu Hause gepflegt werden. Sie könnten Entlastungsleistungen künftig nicht mehr über den Pflegedienst abrufen, und die bisherigen Beratungsleistungen der ambulanten Dienste sollen Ende 2027 auslaufen. Beraten würden dann Pflegekassen und Pflegestützpunkte, also Beratungsstellen der Pflege- und Krankenkassen. Für die ambulanten Dienste der Seniorenhilfe SMMP rechnet Pfeffer mit einem Erlösrückgang von rund 20 Prozent.
Schwerer wiegt für ihn, was die Versicherten verlieren. Den Pflegekassen und den Pflegestützpunkten fehle der Praxisbezug: Sie könnten beraten, welche Leistungen möglich sind. Die ambulanten Dienste hätten dagegen auch im Blick, was konkret benötigt wird und wie sich die Versorgung organisieren und sicherstellen lässt. „Für Versicherte wäre dies ein Verlust an Beratungsqualität“, sagt Pfeffer.
Unsicher ist auch die Finanzierung. Der Entwurf setzt die Tarifbindung für einige Jahre aus, und Lohnsteigerungen oberhalb der allgemeinen Entwicklung müssten die Träger dann selbst tragen. Bei einer Tarifsteigerung von drei Prozent rechnet Pfeffer für alle Einrichtungen und Gesellschaften der Seniorenhilfe SMMP mit einer jährlichen Finanzierungslücke von rund 1,1 Millionen Euro. Wie sich die Tarife im kommenden Jahr entwickeln, ist offen. Reagieren ließe sich auf eine solche Lücke nach seinen Worten nur mit einem Spar- und Konsolidierungsprogramm.
Was die Regelung für die Beschäftigten bedeutet, lässt sich aus seiner Sicht heute nicht belastbar abschätzen. Dafür müsste man wissen, wie die kirchlichen und die übrigen Tarifsysteme damit umgehen. Pfeffer erwartet allerdings, dass der Wettbewerb um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zunimmt.
Drei Änderungen sind aus Sicht der Seniorenhilfe SMMP besonders wichtig: die Refinanzierung der Tarifsteigerungen, die Pflegeberatung bei den ambulanten Diensten und die Entlastungsleistungen aus einer Hand. „Tarifsteigerungen müssen weiterhin refinanziert werden“, sagt Pfeffer.
Bei den Pflegegraden 1 und 2 plädiert er dafür, stärker auf Rehabilitation und Prävention zu setzen. Maßnahmen für Mobilität und Bewegung sowie zur Sturzprävention könnten aus seiner Sicht dazu beitragen, die Selbstständigkeit länger zu erhalten und eine Verschlechterung des Pflegegrades hinauszuzögern. Darin sieht Pfeffer eine Chance der Reform. Sie solle nicht nur die Finanzen stabilisieren, sondern mit Weitblick regeln, wie die Versorgung künftig aussehen soll.
Wiese sei gut informiert gewesen, berichtet Pfeffer. Nach seiner Darstellung verwies der Abgeordnete darauf, dass der Entwurf noch nicht im Parlament eingebracht und damit änderbar sei. Über die kritischen Rückmeldungen aus der Branche werde beraten, es komme aber auch auf den Koalitionspartner an. Greifen sollen die meisten Regelungen am 1. Januar 2027.
Die gemeinnützige Seniorenhilfe SMMP ist ein Unternehmen der Ordensgemeinschaft der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel. In sechs Seniorenheimen, vier ambulanten Pflegediensten, drei Tagespflegen und zwölf Senioren-Wohngemeinschaften betreut sie über 2000 Kunden.
Quelle: SMMP


