Diestedde (mw/bb). Die geplante Entwicklung des Diestedder Neubaugebiets „In der Breede“ beschäftigt nicht nur Politik und Verwaltung. Auch die Vereine im Nikolausdorf verfolgen die Planungen aufmerksam. Der Vorstand des Motorradclubs „MC Diestedde“ e.V. 85 und der Schützenverein Diestedde e.V. haben nun auf Anfrage von MW gemeinsam Stellung bezogen auf mögliche Auswirkungen der geplanten Wohnbebauung auf das bestehende Vereins- und Veranstaltungsleben hingewiesen. Dabei betonen die beiden Vereine ausdrücklich, dass sie der Schaffung neuen Wohnraums grundsätzlich nicht im Wege stehen wollen. Neuhinzugezogene Bewohnerinnen und Bewohner seien auch im Vereinsleben herzlich willkommen. Gleichzeitig sehen die Verantwortlichen allerdings die Gefahr, dass die unmittelbare Nachbarschaft von Wohnbebauung und Veranstaltungsflächen künftig zu Konflikten führen könnte.
Sorge vor späteren Einschränkungen begründet?
Ein Ausgangspunkt für die Stellungnahme sind nach Angaben der Vereine unter anderem Erfahrungen rund um die Schützenhalle in Lipperode und den Klosterhof in Liesborn. Dort habe sich gezeigt, dass einzelne Anwohner durch Beschwerden oder auf dem Rechtsweg Einschränkungen des Veranstaltungsbetriebs erreichen könnten. „Die Möglichkeit, Verbote oder Einschränkungen per Gesetzeswegen zu erzwingen, ist immer gegeben“, schreiben MC Diestedde und Schützenverein in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Aus Sicht der Vereine geht es deshalb nicht allein darum, ob die aktuellen gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Entscheidend sei vielmehr, ob die Veranstaltungen und Aktivitäten auf dem bestehenden Eventgelände auch künftig ohne zusätzliche Einschränkungen durchgeführt werden können.
Bildet das erstelle Gutachten die Lärmsituation genau ab?
Kritisch sehen die Vereine die Grundlage, auf der die Lärmsituation für die weitere Planung bewertet wurde. Nach ihrer Darstellung wäre es im Jahr 2026 grundsätzlich möglich gewesen, die tatsächliche Lautstärkebelastung bei Veranstaltungen vor Ort zu messen und damit reale Werte zu erfassen. Stattdessen sei von Seiten der Gemeinde Wadersloh auf ein Gutachten gesetzt worden, das unter anderem auf Angaben aus einem Fragebogen beruhe. Abgefragt worden seien nach Darstellung der Vereine lediglich Personenzahlen, Uhrzeiten und die örtliche Anordnung. Das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro RP Schalltechnik aus Osnabrück hatte im August 2026 Fachbeiträge zum Verkehrs- sowie zum Sport- und Freizeitlärm vorgelegt. Darin wurden unter anderem das Pfingst-Schützenfest und das „Internationale Himmelfahrtstreffen“ des MCD als Veranstaltungen berücksichtigt. Nach den Berechnungen werden die maßgeblichen Richtwerte eingehalten.

Neben der Stellungnahme der Vereine gibt es auch bei einigen Anwohnern Verwunderung über den Umfang der bisherigen Lärmbetrachtung, die öffentlich im Bürgerinfo-Protal der Gemeindeverwaltung abrufbar ist. Kritisiert wird dabei insbesondere, dass sich die Untersuchung auf einzelne, konkret benannte Veranstaltungen konzentriert. Das Eventgelände am „Schloss 6“ werde jedoch nicht ausschließlich für größere Vereinsveranstaltungen genutzt. Hinzu komme eine Vielzahl von privaten beziehungsweise familiären Feierlichkeiten über das Jahr hinweg. Diese regelmäßigen Nutzungen seien aus Sicht von Anwohnern in der Betrachtung der tatsächlichen Geräuschsituation bislang nicht in gleicher Weise berücksichtigt worden.
Rund 200 Meter Abstand könnte einen Unterschied ausmachen
Eine besondere Rolle spielt dabei die räumliche Nähe. Nach Angaben des MC Diestedde und des Schützenvereins beträgt die Entfernung zwischen dem Eventgelände und den bereits in Planung befindlichen Bauflächen „In der Breede“ sowie der geplanten Bebauung auf dem Schulgelände am Schloss rund 200 Meter. Die Vereine weisen darauf hin, dass viele Mitglieder des MC selbst in Diestedde wohnen und die Aktivitäten auf dem Eventgelände kennen. Die damit möglicherweise verbundene Geräuschkulisse werde von ihnen akzeptiert. „Dieses kann jedoch nicht von jedem neu hinzugezogenen Bewohner erwartet werden“, heißt es in der Stellungnahme. Damit sprechen die Vereine einen Punkt an, der auch in der politischen Diskussion über das Neubaugebiet im Bauausschuss eine Rolle spielte: Selbst wenn Veranstaltungen heute von der bestehenden Nachbarschaft akzeptiert werden, könnten sich mit einer neuen Wohnbevölkerung andere Erwartungen und möglicherweise auch neue Konflikte ergeben.

Schallschutz an den Grenzen zum Eventgelände gefordert
Was also tun? Aus Sicht des MC Diestedde und des Schützenvereins ist die geplante Wohnbebauung deshalb nur dann mit einer langfristigen Sicherung der Vereinsaktivitäten vereinbar, wenn bereits bei der Planung entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Konkret wünschen sich die Vereine geeignete Schallschutzmaßnahmen an den Grenzen zum Eventgelände am Eventhaus „Schloss 6“ beispielsweise in Form von Schallschutzwänden oder -wällen. Eine nachträgliche Reduzierung der Geräuschbelastung durch zusätzliche Auflagen für die Betreiber sehen sie dagegen eher kritisch. Dies könne ansonsten Auswirkungen auf Kulturveranstaltungen haben: „Die eventuell auftretende Lärmbelastung durch Auflagen der Betreiber zu minimieren, würde mit Sicherheit zu reduzierten oder gar abgesagten Aktivitäten am Eventgelände führen“, erklären die Vereine.
Hintergrund: Das Neubaugebiet „In der Breede“ bleibt im Verfahren
Der Bau-, Planungs- und Strukturausschuss der Gemeinde Wadersloh hatte sich am 16. September mit der frühzeitigen Beteiligung zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 82 und der damit verbundenen 38. Änderung des Flächennutzungsplanes befasst. Das ursprüngliche Konzept sah langfristig rund 80 Wohneinheiten in drei Bauabschnitten vor. Aktuell konzentriert sich die Planung zunächst auf die ersten beiden Bauabschnitte. Der dritte Bauabschnitt im Bereich des Klärwerks und in unmittelbarer Nähe zu den Sport- und Freizeitanlagen wird derzeit nicht weiterverfolgt.
Kommentar: Zwischen Grenzwerten und gelebtem Dorfleben
Das Lärmgutachten liefert zunächst eine klare Aussage: Die maßgeblichen Richtwerte für Sport- und Freizeitlärm werden an den untersuchten Punkten eingehalten. Auch für seltene Veranstaltungen wie das Schützenfest oder das MCD-Motorradtreffen kommen die Berechnungen zu einem positiven Ergebnis. Damit könnte die Sache eigentlich erledigt sein. Ist sie aber nicht. Das Vereins- und Kulturleben eines Dorfes lässt sich allerdings nicht allein in einzelne Veranstaltungen und berechnete Dezibelwerte zerlegen. In Diestedde gehört die Nutzung des Eventgeländes an der Winkelstraße/Am Schloss inzwischen zum gewachsenen Leben im Ort. Hier finden Schützenfest und Motorradtreffen, sowie kleinere Veranstaltungen, Sport-Events und private Feierlichkeiten statt. Die Gemeinde Wadersloh selbst hatte in der Vergangenheit durch die Neuordnung des Platzes und die Anlage der Bike-Parks entschieden dazu beigetragen, das Gelände zu einem multifunktionellen Begegnungsort für alle Generationen weiterzuentwickeln.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Werden heute die Grenzwerte eingehalten? Sondern auch: Was passiert, wenn morgen neue Nachbarn einziehen? Die betroffenen Vereine möchten Neuzugezogene in Diestedde willkommen heißen. Gleichzeitig möchten sie vermeiden, dass die Wohnbebauung am Ende zu einer schleichenden Einschränkung dessen führt, was heute zum Kultur- und Vereinsleben des Nikolausdorfes gehört. Das ist ein Punkt, den die weitere Planung im Ratssaal ernst nehmen sollte. Wer neue Wohnungen neben bestehende Veranstaltungsflächen plant, sollte deshalb nicht erst dann über Lärmschutz sprechen, wenn die ersten Beschwerden auf dem Tisch liegen. Vorausschauend wäre es, mögliche Konflikte bereits heute baulich und planerisch zu entschärfen. Ein Neubaugebiet lässt sich (vergleichsweise) einfach planen. Das über Jahrzehnte gewachsene Vereins- und Kulturleben eines 1136 gegründeten Dorfes dagegen lässt sich nicht so leicht ersetzen. Das beste Beispiel dafür ist in einem anderen Wadersloher Ortsteil zu finden: Dort bremste der Lärmschutz die Sanierungspläne des Klosterhofs aus. Die Diskussion dürfte also noch weiter andauern.
Fotos/Text/Kommentar: B. Brüggenthies, zus. Quelle: Stellungnahme MCD/Schützenverein, Unterlagen Gemeinde Wadersloh (Gutachten), eigene Recherchen
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