Liesborn (mw/bb). Pickepackevoll war der Festsaal des Museums Abtei Liesborn am Sonntagnachmittag: Rund 130 Gäste kamen zum 3. Plattdeutschen Nachmittag, um zwei Stunden lang Geschichten, Sketche und Musik „up Platt“ zu erleben. Und sie wurden nicht enttäuscht: Zehn Mitwirkende (darunter auch zwei Kinder) der Plattdeutsch-Theatergruppe Liesborn sorgten für beste Unterhaltung und bewiesen, dass die alte Sprache auch heute noch lebendig und vor alle, urkomisch ist.
Unter der Leitung von Monika Kampmann und unter dem Dach des Heimatvereins Liesborn hatte die Gruppe wieder ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Von humorvollen Theaterstücken bis hin zu einem augenzwinkernden Jahresrückblick 2025 rund um Liesborner Themen. Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag einmal mehr vom bewährten Duo Annette Hartwig und Andreas Hermeyer, das mit Gesang und Akkordeon die Herzen des Publikums erwärmte.
Schon in der Begrüßung wurde deutlich, worum es geht: „Dat Plattdütsch höört to uns Dörp as dat Museum, de Schützenfahne un de Glenne.“ Mit viel Schwung und Spielfreude führten die Akteure durch ein Programm, das das Dorfleben von seiner schönsten Seite zeigte, mit einer guten Portion Selbstironie und noch viel mehr Lokalkolorit. Der Jahresrückblick auf Plattdeutsch brachte das Publikum immer wieder zum Lachen. „Vör föftig Joahr hebbt sik de Dörper Diestedde, Wadersloh un Liesborn nich ganz friewillig tosamendon un ’ne groote Gemeen maakt“, erinnerte man schmunzelnd an das 50-jährige Gemeindejubiläum. Auch die Liesborner Feste fanden ihren Platz: Karneval („Et würren bannig völle Lüe dor, de so richtig Karneval fier’n wüllt – bei guod Speel“), Brückenfest („Dat gavet lecker Kouken, Schnäpps un Beier“), das Jubiläums-Schützenfest und das Feuerwehr-Waldfest mit Schottenröcken, alles, was das Liesborner Dorfjahr bunt und lebendig machte. Zum Abschluss durfte der Stolz auf das Dorf nicht fehlen: „Uns grooter Stolz in Liesborn is doch uns Museum“, hieß es im plattdeutschen Rückblick.


Neben dem Jahresrückblick sorgten zwei Theaterstücke für viel Applaus: Im Einakter „De Inbreeker“ von Helmut Schmidt lieferte sich Alois Löppenberg als altkluger Gustav ein herrlich trockenes Wortgefecht mit der jungen Einbrecherin (gespielt von Marina Strunk). Aus dem scheinbar bedrohlichen Überfall entwickelte sich eine hintersinnige Begegnung über Geld und Lebensweisheiten. In der zweiten Szene, „Wiehnachtsfier“, trafen Weihnachtsmann (Alois Löppenberg) und Osterhase (Anne Neisemeier) aufeinander und stritten über Geschenke, Zuständigkeitsbereiche und Gleichberechtigung.


Zwischen den Beiträgen erklangen Lieder, die viele Gäste mitsummten. Besonders rührend war der Kinderbeitrag „Äppelken will dansen“, der zeigte, dass die Liebe zur plattdeutschen Sprache auch bei den Jüngsten weiterlebt. „Dat is doch schön to sehn, dat de lütten Lüe dat Platt nich vergiät“, kommentierte eine Besucherin begeistert. Dass der „Plattdeutsche Nachmittag“ längst zu einer festen Institution geworden ist, zeigte die Resonanz des Publikums. Das Refektorium war bis auf den letzten Platz besetzt, und schon beim Hinausgehen fragten viele: „Wann maakt ji dat wedder?“ Die Antwort gab Monika Kampmann prompt: Künftig soll der Nachmittag einmal jährlich im November stattfinden. In Liesborn wird eben nicht nur das kulturelle Erbe, sondern auch das Herzblut der Dorfgemeinschaft gepflegt.
Text: mw/bb., Fotos: Heimatverein


