Diestedde (mw/bb). Aus den ersten Überlegungen seit 2021 ist jetzt ein konkreter Planungsschritt geworden: Auf dem ehemaligen Internatsgelände der ehem. Don-Bosco-Schule der Priesterbruderschaft St. Pius X. südwestlich des Schlosses Crassenstein soll ein neues Wohnquartier entstehen. Der Bau-, Planungs- und Strukturausschuss der Gemeinde Wadersloh hat den vorgestellten städtebaulichen Entwurf in seiner Sitzung am Mittwoch grundsätzlich befürwortet und damit den Weg für die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens freigemacht. Der Beschluss fiel mit 12 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung aus den Reihen der GRÜNEN.
Vorgesehen ist ein Wohnquartier mit bis zu 88 Wohneinheiten. Der Entwurf stammt vom Düsseldorfer Büro RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky. Vorgestellt wurde er im Ausschuss von Architekt Jabra Soliman. Für den Vorhabenträger Nexus Development GmbH war Geschäftsführer Murat Beyazyüz anwesend.
Neues Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen
Das rund 42.500 Quadratmeter große ehemalige Internatsgelände soll sich künftig deutlich anders präsentieren. Der aktuelle Entwurf sieht eine Mischung aus Einfamilien- und Doppelhäusern sowie mehrgeschossigem Wohnungsbau vor. Konkret sind 24 Doppelhaushälften und elf freistehende Einfamilienhäuser vorgesehen. Ergänzt werden diese durch Wohnungen in den zentral angeordneten zwei- und dreigeschossigen Gebäuden. Das Quartier soll als Wohnangebot für verschiedene Generationen funktionieren. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Dorf- beziehungsweise Quartiersplatz. Er soll als gemeinsamer Treffpunkt dienen und zugleich Raum für kleinere Veranstaltungen bieten.
Die Gebäude sollen sich dabei möglichst selbstverständlich in das Umfeld einfügen. Bei den Häusern sind unter anderem Giebel zur Straße vorgesehen. Nicht bebaubare Bereiche sollen als öffentliche beziehungsweise gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen gestaltet werden. Ein begrünter Abstand zum denkmalgeschützten Schlossensemble soll erhalten bleiben.
Schlossallee soll vom neuen Wohngebiet getrennt bleiben
Eine wesentliche Änderung gegenüber früheren Überlegungen betrifft die Erschließung. Die Zufahrt zum neuen Wohnquartier soll nicht über die historische Allee in Richtung Schloss führen. Stattdessen ist eine Anbindung im westlichen Bereich des Areals an die Oelder Straße (L 793) vorgesehen. Geplant ist dort ein Kreisverkehr. Nach Angaben der Planer wurde die verkehrliche Situation bereits durch einen Verkehrsplaner untersucht. Die entsprechende Stellungnahme des Büros Redeker liegt vor. Die Trennung der Erschließung ist auch mit Blick auf das Schlossensemble von Bedeutung: Die historische Allee soll weiterhin ihre Funktion behalten, während der Verkehr des neuen Wohnquartiers über die westliche Zufahrt geführt wird.
Hochwasser und Denkmalschutz setzen Grenzen
Bei der Entwicklung des Areals spielen allerdings mehrere Rahmenbedingungen eine Rolle. Bereits die ersten Planungen waren unter anderem wegen des Überschwemmungsgebiets des Mühlenbachs angepasst worden. Das ursprünglich größere Planungsgebiet konnte deshalb nicht in der bisherigen Form weiterverfolgt werden. Auch die Nähe zum denkmalgeschützten Schloss Crassenstein schränkt die Bebauungsmöglichkeiten ein. Im aktuellen Konzept wird deshalb mit Abständen und Freiflächen gearbeitet. Die Planer verwiesen zudem auf den teilweise dichten Baumbestand und die Frage, wie sich Sichtbeziehungen zum Schloss darstellen lassen. Eine frühere Variante des Quartiers ist damit überholt. Der aktuelle Entwurf konzentriert die Bebauung auf den Bereich, der unter den gegebenen wasserrechtlichen, denkmalpflegerischen und städtebaulichen Rahmenbedingungen entwickelt werden kann.
Noch liegt kein Bebauungsplan vor
Mit dem Beschluss des Ausschusses ist allerdings noch keine Baugenehmigung verbunden. Der Flächennutzungsplan weist das Gelände derzeit weiterhin als Fläche für eine schulische Nutzung aus. Einen Bebauungsplan gibt es bislang nicht. Als nächster Schritt soll deshalb das erforderliche Bauleitplanverfahren eingeleitet werden. Die Kosten für das Verfahren trägt nach dem Beschluss der Vorhabenträger. Auch weitere Untersuchungen stehen noch aus. So liegt beispielsweise noch kein vollständiges Bodengutachten vor. Bei möglichen Bodenarbeiten müsse zudem die historische Gräfte berücksichtigt werden, wurde in der Sitzung erläutert. Für die geplante Tiefgarage ist eine Tiefe von etwa drei Metern vorgesehen.
Finanzierung Thema in der politischen Diskussion
In der folgenden politischen Diskussion wurde insbesondere die Größenordnung des Vorhabens thematisiert. Dr. Günter Thomas (SPD) bezeichnete das Projekt als großes Vorhaben für Diestedde und stellte unter anderem die Frage nach der Finanzierung und der wirtschaftlichen Realisierbarkeit angesichts der derzeitigen Lage auf dem Immobilienmarkt. Auch die Finanzierung der geplanten Kreisverkehrslösung wurde angesprochen. Murat Beyazyüz erklärte, die Finanzierung des Projekts für das Areal sei gesichert. Ein Teil der Wohnungen solle als Mietwohnraum entwickelt werden. Für weitere Bereiche sei eine Vermarktung mit Unterstützung örtlicher Kreditinstitute vorgesehen. Die Kosten für die Erschließung beziehungsweise den Kreisverkehr seien dem Vorhabenträger zuzuordnen. Auf Nachfrage von Dr. Keitlinghaus (CDU) wurde zudem klargestellt, dass Nexus Development GmbH als Partner auftritt. Das Unternehmen sei nicht selbst Eigentümerin des Grundstücks, sondern arbeite mit der Eigentümerseite in einer partnerschaftlichen Gesellschaft zusammen.
Nachfrage nach kleineren Wohnungen und sozialem Wohnungsbau
Auch der tatsächliche Wohnungsbedarf spielte in der Diskussion eine Rolle. Klaus Grothues (CDU) fragte nach einer Bedarfsanalyse. Nach Angaben des Vorhabenträgers bestehe insbesondere Nachfrage nach kleineren Wohnungen. Dies sei bei der Aufteilung der Wohneinheiten berücksichtigt worden. Die Zahl der Wohnheiten wurde dabei ebenfalls präzisiert: Neben den 24 Doppelhaushälften und elf Einfamilienhäusern können im Geschosswohnungsbau weitere Einheiten entstehen. Rudolf Winkelhorst (FWG) erkundigte sich nach dem Anteil des sozialen beziehungsweise geförderten Wohnungsbaus. Nach Angaben des Vorhabenträgers wäre ein Anteil von etwa zehn bis 15 Prozent grundsätzlich vorstellbar. Eine konkrete Quote müsse im weiteren Verfahren gemeinsam festgelegt werden. Bei den möglichen Mietpreisen wurde eine Größenordnung von etwa 12 bis 13 Euro pro Quadratmeter genannt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass kleinere Wohnungen entsprechend höherpreisig ausfallen könnten.

Rudi Luster-Haggeney (CDU) bewertete das derzeit brachliegende Areal als wenig vorzeigenswert und sah in der geplanten Entwicklung eine deutliche Aufwertung für den Standort. Das ehemalige Internatsgelände blieb seit der Aufgabe der Schule weitestgehend ungenutzt. Anfängliche Pläne für ein Bildungsangebot wurden seinerzeit nicht realisiert (Anm. d. Red.: Dieses gibt es seit Kurzem dafür im benachbarten Schloss). Die vorhandenen Gebäude stehen seit langem leer und sind nach den vorliegenden Projektunterlagen zu großen Teilen nicht mehr sinnvoll nutzbar. Mit der geplanten Wohnbebauung würde sich das bislang abgeschottete und zunehmend verfallende Gelände grundlegend verändern.
Weitere Planungsschritte stehen bevor
Mit dem politischen Beschluss ist nun vor allem eines erreicht: Der Vorhabenträger erhält mehr Planungssicherheit. Bis zu einer tatsächlichen Bebauung sind jedoch noch mehrere Schritte erforderlich. Zunächst muss das Bauleitplanverfahren durchgeführt werden. Dazu gehören unter anderem weitere Untersuchungen und die planungsrechtliche Konkretisierung des Vorhabens. Auch der Abriss der bestehenden Internatsgebäude wäre ein späterer Schritt. Murat Beyazyüz zeigte sich nach der Beratung entsprechend zufrieden. Für den Vorhabenträger bedeute der Beschluss vor allem eine größere Planungssicherheit.
Und was meinst Du zum geplanten Wohnquartier am Schloss Crassenstein?
Aus dem ehemaligen Don-Bosco-Internatsgelände könnte in den kommenden Jahren also ein neues Wohnquartier werden. Wie findest Du die Pläne? Was hältst Du von der Mischung aus Einfamilien- und Doppelhäusern, Geschosswohnungen und einem zentralen Quartiersplatz? Und wie wichtig ist es Deiner Meinung nach, dass das seit Jahren leerstehende Areal eine neue Nutzung bekommt? Wie gefällt Dir die geplante Optik und passt das neue Quartier Deiner Meinung nach in die Umgebung rund um Schloss Crassenstein? Schreib uns gerne Deine Meinung in die Beitragskommentare bei Instagram oder per Nachricht an die Redaktion.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


