Wadersloh/Liesborn (mw/bb). Der markante vierstöckige Kornspeicher mit vorkragendem Obergeschoss vom Hof Steinhoff (früher Hof Schulze Aden) wird gerettet! In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden wird das auf das Jahr 1777 datierte Fachwerkgebäude behutsam vom Bühlheider Weg an die Waldliesborner Straße umgesetzt und dort originalgetreu wiederaufgebaut. „Der Speicher bleibt somit in der Gemeinde Wadersloh“, freut sich Initiator Ekkehard Schulze Waltrup.
Seit rund drei Jahren feilen Schulze Waltrup und die Eigentümerfamilie Steinhoff an dem rechtlich und fachlich anspruchsvollen Vorhaben. „Der Speicher hat mich immer fasziniert, so wie historische Gebäude im Allgemeinen“, so Schulze Waltrup. Aus der anfänglichen Idee sei schnell ein Herzensprojekt geworden: Die Rettung des eindrucksvollen Turmspeichers als historischer Zeuge des westfälischen Landlebens. Auch Paola Steinhoff freut sich über die Perspektive: „Wir freuen uns über den Erhalt. Der Speicher muss einfach gerettet werden.“

Ein landwirtschaftliches Funktionsgebäude mit großer Bedeutung
Die Inschrift im Fachwerk – 1777 – dokumentiert das Baujahr. Der Turm diente stets als Getreidespeicher; Wohnnutzung blieb trotz zwischenzeitlicher Überlegungen Theorie. Ein zweiter historischer Kornspeicher im Gemeindegebiet steht auf dem Hof Hollenhorst – ein Hinweis darauf, welche Rolle die Speicherkultur in der hiesigen Agrargeschichte spielte. Der Hof Steinhoff/Schulze Aden war aufgrund seiner Größe und der Nähe zur Abtei Liesborn stets eine der prägenden Hofanlagen. Der Turmspeicher erzählt von Ernte, Lagerung und Vorratshaltung. Für Ekkehard Schulze Waltrup und die Familie Steinhoff war genau das ausschlaggebend: die kulturelle und überregionale Bedeutung zu sichern – ohne die Gemeinde Wadersloh zu verlassen. „Der Abbau des Speichers ist für uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden. Er gehörte ja seit Jahrhunderten hier zum Hof. Aber die Freude über den Erhalt überwiegt“, blickt Paola Steinhoff auf den in Teilen bereits abgebauten Speicher.
Langer Anlauf: Ortstermin, knapper Ratsentscheid, Bokel-Option
Die Geschichte der Erhaltungsversuche reicht weit zurück. Bereits 1993 signalisierte das Westfälische Amt für Denkmalpflege bei einem Ortstermin die Wertigkeit des Speichers als „letztes Relikt seiner Art“ auf der Hofstelle; gleichzeitig wurde deutlich: Zuschüsse gebe es nur unter Denkmalschutz. Land und Landschaftsverband stellten eine 2/3-Förderung einer kurzfristigen Instandsetzung in Aussicht, die Gemeinde hätte 1/3 getragen – Voraussetzung wäre aber die Unterschutzstellung gewesen, wie die Publikationen „Auf Klei und Sand“ des Heimatvereins Wadersloh dokumentierten.
1996 lehnte der Kultur- und Denkmalausschuss den Eintrag in die Denkmalliste mit knapper Mehrheit ab – ein Beschluss, der eine lebhafte Debatte über Eigentumsrechte und Ortsbildschutz auslöste. Ein Leserbrief in einer Tageszeitung sprach vom „Kleinod“, dessen Umsetzung und neue Nutzung dem Dorf guttäte. Dennoch wurde der Speicher 1996 unter der Nr. 65 in die Denkmalliste eingetragen. Der Heimatverein Wadersloh versuchte unter dem Vorsitz von Hans-Josef Kellner „Schüngels Kotten“ und den Steinhoff’schen Kornspeicher in die Wadersloher Ortsmitte zu bringen. Beides scheiterte. 2004 stand sogar die Translozierung nach Rietberg-Bokel im Raum. Fachbehörden hoben die überregionale Bedeutung als „bedeutsames Zeugnis“ hervor; zugleich drängte die Gemeinde Wadersloh auf Lösungen im Ort. Realisiert wurde nichts – der Zustand verschlechterte sich weiter.
Alter Glanz nach fast 250 Jahren: Jetzt wird endlich umgesetzt!
Im Jahr 2025 und somit 21 Jahre nach dem letzten Rettungsversuch ist die Wende da: In Eigenleistung wird der Speicher nummeriert und behutsam abgetragen – begleitet u. a. von einer heimischen Fachfirma und weiteren Helfern. Ziel ist der maximale Erhalt der historischen Substanz: Fachwerk samt Inschriften, originale Gefache und Spuren des Lehmstakwerks werden dokumentiert, konserviert und wieder eingesetzt. Wie die nichtoriginalen Ergänzungen erfolgen, wird in Abstimmung mit dem Denkmalschutz beraten. Wenn statisch vertretbar, soll der Giebel nach Möglichkeit in einem Stück abgenommen und überführt werden.
Am neuen Standort an der Waldliesborner Straße folgt der sorgfältige Wiederaufbau auf dem Hof Schulze Waltrup. Schritt für Schritt und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Mit der Rückkehr zu altem Glanz bleibt das bäuerliche Zeugnis weiterhin sichtbar und vor Ort erlebbar. Nach dem Wiederaufbau böte sich das Jahr 2027 als Richtfest an. Dann jährt sich der Bau des Speichers zum 250. Mal.
Fotos/Text: mw/bb.




