Wadersloh (mw/bb). In der Wadersloher Jugendarbeit gibt es personelle Veränderungen und zugleich neue Impulse bei der Beteiligung junger Menschen. Im Ausschuss für Jugend, Familie, Soziales und Inklusion wurde am Montag (14. September) sowohl die neue Leitung des Jugendtreffs „Villa Mauritz“ vorgestellt als auch über die Ergebnisse des ersten Wadersloher Jugendentscheids beraten.
Kevin Kuznik übernimmt Leitung der Villa Mauritz
Nachdem die bisherige Leitung Valentina Cifric Ende Juni ausgeschieden war, wurde die Stelle neu ausgeschrieben. Nach Angaben von Dr. Oliver Bokelmann, Geschäftsführer der Mindful Jugendhilfe, gingen 14 qualifizierte Bewerbungen ein. Zum 1. Juli hat Kevin Kuznik die Leitung des Jugendtreffs übernommen. | MW berichtete in einer Erstmeldung.

Kuznik stellte sich den Ausschussmitgliedern persönlich vor und berichtete von seinen ersten Eindrücken. Bereits während der Sommerferien habe er gemeinsam mit dem Team verschiedene Angebote umgesetzt, die von den Jugendlichen gut angenommen worden seien. Auch für die Herbstferien seien bereits weitere Aktionen geplant. Das bislang bestehende Graffiti-Angebot soll ebenfalls fortgeführt werden. „Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden“, schilderte Kuznik seinen Start. Für ihn sei die offene Jugendarbeit zunächst ein neues Arbeitsfeld. Ursprünglich kommt der neue Villa-Mauritz-Leiter aus dem Handwerk. Weitere berufliche Stationen führten ihn unter anderem in eine Wohngruppe und in die Offene Ganztagsschule (OGS). Nun habe er das Gefühl, mit der offenen Jugendarbeit das passende Arbeitsfeld gefunden zu haben. Hier könne er sich entfalten und unmittelbar mit Jugendlichen arbeiten. Zugleich zeigte sich Kuznik erfreut über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wadersloh.
Aus den Reihen der Politik gab es viel Zuspruch. Jonas Henke (SPD) begrüßte Kuznik und dankte für die „lückenlose Besetzung“ der Leitungsstelle. Alexandra Essel (FWG) zeigte sich beeindruckt vom beruflichen Weg des neuen Leiters und insbesondere davon, dass dieser zunächst eine handwerkliche Ausbildung absolviert habe. Lucia Meerbecker (CDU) freute sich darüber, dass die Nachfolge so schnell geregelt werden konnte. Nach mehreren weiblichen Leitungen stehe nun erstmals ein Mann mit handwerklichem Hintergrund an der Spitze des Jugendtreffs. Andrea Goß (FWG) wünschte Kuznik für die weitere Einarbeitung und seine Arbeit mit den Jugendlichen gutes Gelingen.
Jugendentscheid soll keine Eintagsfliege bleiben
Anschließend rückte das Thema „jugend.relevant!“ in den Mittelpunkt. Dr. Oliver Bokelmann stellte die Ergebnisse des ersten Wadersloher Jugendentscheids vor, an dem im Juli rund 150 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen des Gymnasiums Johanneum und der Sekundarschule Wadersloh teilgenommen hatten. | MW war damals als einziges Medium vor Ort und berichtete darüber
Der Jugendentscheid war bewusst als niedrigschwelliges Beteiligungsformat angelegt. In Kleingruppen beschäftigten sich die Jugendlichen mit ihrer eigenen Lebenswelt, entwickelten Projektideen und stimmten anschließend darüber ab, welche Vorschläge weiterverfolgt werden sollen. Dabei kamen sehr unterschiedliche Themen zur Sprache. Genannt wurden unter anderem Hitzeschutz, Überdachungen an Schulbushaltestellen und öffentliche Trinkwasserstellen. Besonders deutlich wurde aus Sicht Bokelmanns aber auch der Wunsch nach Begegnung. Die Mehrheit der Jugendlichen sprach sich schließlich für eine Beachparty aus. Dahinter stehe mehr als eine Veranstaltung mit Musik und sportlichen Aktivitäten, erläuterte Bokelmann. Es gehe insbesondere darum, Begegnungen zu ermöglichen und einen Ort zu schaffen, an dem Jugendliche außerhalb von Schule und Alltag zusammenkommen können. Die Idee soll 2027 umgesetzt werden.

Der Ausschuss stimmte dem entsprechenden Beschluss einstimmig zu. Die Verwaltung soll gemeinsam mit der Mindful Jugendhilfe und der „Villa Mauritz“ die Veranstaltung vorbereiten. Wichtig ist dabei ausdrücklich, dass die Jugendlichen selbst an der Planung beteiligt werden.
Politik will weitere Ideen nicht aus den Augen verlieren
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Beachparty zwar das konkrete Ergebnis der Abstimmung ist, die übrigen Ideen der Jugendlichen aber nicht in der Schublade verschwinden sollen.
Jonas Henke (SPD) betonte, dass die Zusammenstellung der Vorschläge geholfen habe, die Themen und Wünsche der Jugendlichen sichtbar zu machen. Auch weitere Ideen müssten im Blick behalten werden.
Philip Winkler (FDP) bezeichnete das Projekt als „tolles Projekt“ und regte an, eine Art Jugendausschuss einzurichten, der bei Bedarf zusammenkommen könne. Dadurch könnten auch kleinere Projekte zeitnah vorangebracht werden. Als Beispiel nannte er die Trinkbrunnen: Es müsse nicht bis zum nächsten Jugendentscheid gewartet werden, bis konkrete Vorschläge umgesetzt würden.
Ruth Lutterbüse (GRÜNE) griff den Gedanken der Begegnung auf. „Freunde finden“ sei ebenfalls ein wichtiger Aspekt und müsse bei der weiteren Arbeit berücksichtigt werden.
Auch die Organisation des Jugendentscheids wurde angesprochen. Alexandra Essel (FWG) fragte nach der künftigen Struktur der Beteiligung. Bokelmann kündigte an, noch vor den Herbstferien eine Planungsgruppe abzufragen. Auch Mindful und die Gemeinde sollen beteiligt werden. Wo genau die weitere Planung stattfinden wird, sei noch offen. Denkbar sei beispielsweise der Ort, an dem später auch das Jugendfest stattfindet. Entscheidend sei, dass die Jugendlichen selbst mitentscheiden.
Dr. Bokelmann räumte ein, dass der erste Jugendentscheid auch eine Premiere gewesen sei. Die Veranstaltung hatte unmittelbar vor den Sommerferien stattgefunden. Künftig könne es sinnvoll sein, das Format stärker in das laufende Schuljahr zu integrieren. Die Entscheidung für die Beachparty sei letztlich auch eine Frage der Umsetzbarkeit gewesen, untermauerten die Anwesenden im Ausschuss. Sie sei unter den vorgeschlagenen Projekten am ehesten kurzfristig zu organisieren.
Lucia Meerbecker (CDU) lobte die gute Organisation, merkte aber zugleich an, dass angesichts der kurzen Zeit nur wenig Gelegenheit bestanden habe, sämtliche Vorschläge eingehend zu sichten. Die gute Resonanz führte sie auch darauf zurück, dass die Jugendlichen während der Schulzeit erreicht wurden. Klaus Grothues (CDU) dankte ausdrücklich der Mindful Jugendhilfe für die Begleitung des Jugendentscheids. Aus der Politik kam zugleich der Wunsch, künftig auch Jugendorganisationen stärker einzubeziehen. Andrea Goß (FWG) blickte schließlich gespannt auf die Umsetzung der Beachparty und der weiteren Ideen.
2027 soll das nächste Beteiligungsformat folgen
Für das kommende Jahr kündigte Bokelmann bereits ein weiteres größeres Vorhaben an. Im Rahmen eines „Lebensberichts“ soll erneut eine Projektgruppe zusammenkommen und sich mit der Frage beschäftigen, welche Angebote es für junge Menschen in Wadersloh gibt und wie die Jugendlichen ihre Gemeinde erleben. Dabei sollen Gespräche mit Schulen und Verwaltung geführt und neue Ideen entwickelt werden. Im Idealfall, so Bokelmann, könnten die einzelnen Projekte und Beteiligungsformate ineinandergreifen und langfristig ein Gesamtkonzept entstehen. Der unmittelbare Austausch sei dabei besonders wertvoll. Jugendliche bekämen eine direkte Rückmeldung darauf, was mit ihren Ideen geschehe. Im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis sei Wadersloh mit dem eingeschlagenen Weg durchaus wegweisend, zeigte sich Bokelmann überzeugt.
Mit dem einstimmigen Beschluss für die Beachparty 2027 ist damit zumindest ein erstes konkretes Ergebnis des Jugendentscheids auf den Weg gebracht. Gleichzeitig machte die Diskussion deutlich: Die Jugendlichen sollen nicht erst beim nächsten großen Beteiligungstag wieder gefragt werden. Ihre Ideen sollen auch zwischen den einzelnen Projekten und Entscheidungen eine Rolle spielen.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


