Münster/Sendenhorst/Wadersloh/Lippstadt (mw/bb). Nächster Halt Wadersloh? Die Reaktivierung der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) für den Schienenpersonennahverkehr soll nach dem Willen der beteiligten Kommunen nicht in Sendenhorst enden. Auch der südliche Abschnitt über Ennigerloh, Beckum und Wadersloh bis nach Lippstadt soll weiterverfolgt werden. Bei einem gemeinsamen Austausch auf Initiative des Ennigerloher Bürgermeisters Marc Berendes und des heimischen Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum (beide CDU) wurde jetzt deutlich: Entlang der Strecke besteht breite Unterstützung für das Vorhaben. Bei dem Austausch waren aus Wadersloh Kämmerer Norbert Morfeld und Wirtschaftsförder Mathias Acar vor Ort.

Die Vertreter der Anliegerkommunen kamen gemeinsam mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) zusammen, um sich über den aktuellen Stand einer möglichen Reaktivierung der Strecke von Sendenhorst über Wadersloh bis Lippstadt zu informieren. Im Mittelpunkt standen dabei die Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Machbarkeitsstudie und die Frage, wie das Projekt nun aus der Untersuchungsphase in eine konkrete Planung überführt werden kann.
Das Signal der Beteiligten fällt dabei recht eindeutig aus: Die Kommunen entlang der Strecke stehen hinter einer Weiterführung des Schienenpersonennahverkehrs und auch die WLE ist bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Voraussetzung ist allerdings zunächst die Finanzierung der weiteren Planungsleistungen. Sobald diese geklärt ist, besteht nach Angaben der Beteiligten die Bereitschaft der WLE, in die sogenannte Leistungsphase 1 einzusteigen.
„Die Machbarkeitsstudie liefert uns sehr überzeugende Argumente für die Reaktivierung. Jetzt geht es darum, gemeinsam dafür zu sorgen, dass aus der untersuchten Möglichkeit ein konkretes Schienenprojekt wird“, betont der heimische Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum (CDU). Die Kommunen entlang der Strecke stünden hinter dem Vorhaben. Auch er selbst wolle sich dafür einsetzen, „dass die Voraussetzungen für den nächsten Planungsschritt geschaffen werden“.
„Sendenhorst darf nicht Endstation sein“
Auch für Ennigerlohs Bürgermeister Marc Berendes ist klar, dass die bereits beschlossene Reaktivierung zwischen Münster und Sendenhorst lediglich ein erster Schritt sein kann. „Sendenhorst darf wortwörtlich nicht Endstation unserer Ambitionen sein“, erklärt Berendes. Eine WLE-Verbindung über Ennigerloh, Beckum und Wadersloh hinaus sei „mehr als ein Bahnprojekt“. Sie könne ein starkes Signal für Mobilität, Zusammenhalt und Zukunft im ländlichen Raum sein. Damit bekommt die Diskussion um die südliche Verlängerung der WLE neuen Schwung. Denn während die Reaktivierung zwischen Münster und Sendenhorst inzwischen konkret umgesetzt wird, war die Zukunft des weiteren Streckenabschnitts bislang deutlich weniger eindeutig (MW berichtete).
Machbarkeitsstudie liefert starke Argumente
Dabei sprechen die Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchung grundsätzlich für eine Weiterverfolgung des Projekts. Die näher untersuchten Varianten zwischen Sendenhorst und Lippstadt erreichen einen Nutzen-Kosten-Indikator zwischen 2,2 und 3,3. Damit liegen sie deutlich über der entscheidenden Schwelle von 1,0. Selbst unter Berücksichtigung deutlich gestiegener Infrastrukturkosten weist die Untersuchung somit einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen aus. Vereinfacht gesagt: Der erwartete Nutzen der Investition übersteigt die dafür notwendigen Kosten deutlich. Auch mit Blick auf den Straßenverkehr könnte die Bahnverbindung eine relevante Wirkung entfalten. Je nach untersuchter Variante könnten täglich bis zu 5.500 Fahrten vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr verlagert werden.
„Bis zu 5.500 Autofahrten weniger am Tag sind eine echte Entlastung für unsere Städte und Gemeinden“, sagt Rehbaum. Das zeige, welche Wirkung eine attraktive Schienenverbindung für den gesamten Raum zwischen Sendenhorst und Lippstadt entfalten könne – „für Pendler, Familien und die Wirtschaft“.
Für die Gemeinde Wadersloh wäre die Verbindung besonders interessant
Für Wadersloh wäre eine Reaktivierung des südlichen WLE-Abschnitts ein wichtiger Baustein für die künftige Verkehrsanbindung. Die Gemeinde hatte sich bereits im Verfahren zum Regionalplan dafür eingesetzt, die Strecke von Sendenhorst über Wadersloh bis Warstein ausdrücklich als Personennahverkehrsverbindung auszuweisen. Diese Forderung wurde allerdings nicht in der gewünschten Form übernommen. Noch im Frühjahr war deshalb offen, welche planerische Bedeutung dem südlichen WLE-Abschnitt künftig tatsächlich zukommen wird.

Gleichzeitig hatte Waderslohs Bürgermeister Christian Thegelkamp auf die möglichen Chancen einer Reaktivierung hingewiesen. Eine attraktive Schienenverbindung könnte die Erreichbarkeit Münsters deutlich verbessern. Auch die bisher ermittelten Fahrgastzahlen und Wirtschaftlichkeitswerte wurden aus Sicht der Gemeinde positiv bewertet. Der jetzige Schulterschluss der Anliegerkommunen könnte daher für Wadersloh von besonderer Bedeutung sein. Denn eine isolierte Betrachtung einzelner Streckenabschnitte würde dem eigentlichen Potenzial der Verbindung kaum gerecht. Erst die durchgehende Verbindung von Sendenhorst über Ennigerloh, Beckum und Wadersloh bis Lippstadt könnte eine entsprechende regionale Wirkung entfalten.
Zur aktuellen Entwicklung begrüßt Thegelkamp audrücklich das Engagement der Bundes- und Landespolitker, aber auch der „Anrainer“-Bürgermeister der betroffenen Kommunen: „Alles, was der Reaktivierung für den Personennahverkehr dient, ist zu begrüßen. Ich freue mich über jeden, der sich dafür einsetzt“, so Thegelkamp im Gespräch mit MW. Nun gelte es abzuwarten, wie es weitergehen kann. In allen Wadersloher Ortsteilen könnten dann künftig Haltepunkte errichtet werden. In Diestedde ist die Neuplanung des ehem. Bahnhosvorplatzes an der Von-Wendt-Straße bereits in Vorbereitung und könnte auch für den ÖPNV auf der Schiene genutzt werden.
Von der Idee zur konkreten Planung
Dass die WLE-Reaktivierung südlich von Sendenhorst bislang noch nicht denselben Planungsstand erreicht hat wie der Abschnitt nach Münster, hat vor allem mit den unterschiedlichen Planungsverfahren zu tun. Für den Abschnitt Münster–Sendenhorst wurde bereits Ende Januar 2026 der Planfeststellungsbeschluss durch die Bezirksregierung Münster erlassen. Die Strecke ist Bestandteil des Projekts „S-Bahn Münsterland“ und im ÖPNV-Bedarfs- sowie Finanzierungsplan des Landes Nordrhein-Westfalen mit höchster Dringlichkeit berücksichtigt.

Der südliche Abschnitt bis Lippstadt befindet sich dagegen noch nicht in dieser konkreten Umsetzungsphase. Im September 2024 war die Verbindung Sendenhorst–Lippstadt auf Initiative des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der Gemeinde Wadersloh beim Land Nordrhein-Westfalen zur fachlichen Bewertung angemeldet worden. Damit bleibt die Frage der landesweiten Priorisierung ein entscheidender Punkt. Der nun von Kommunen, WLE und Politik formulierte Wille, weiterzuplanen, soll deshalb helfen, die nächste Stufe zu erreichen.
Bahnwerkstatt in Neubeckum zeigt: Die WLE wird bereits konkret
Wie weit die Reaktivierung auf dem nördlichen Abschnitt inzwischen fortgeschritten ist, zeigte sich noch zu Sommerbeginn bei einem Besuch von MdB Henning Rehbaum und dem CDU-Landtagsabgeordneten Markus Höner auf der Baustelle der neuen WLE-Bahnwerkstatt in Neubeckum. Dort entsteht ein Instandhaltungswerk für die künftigen Triebwagen des Personenverkehrs. Betreiber und Bauherr ist der spanische Zughersteller CAF. Zehn batterieelektrische Züge befinden sich bereits im Zulassungsverfahren. Rund zehn Arbeitsplätze sollen in Neubeckum entstehen. Die Werkstatt soll in den kommenden Jahrzehnten die Instandhaltung und die regelmäßige Außenreinigung der Fahrzeuge übernehmen. Gleichzeitig macht der Standort deutlich, dass die Reaktivierung der WLE zwischen Münster und Sendenhorst längst über eine politische Absichtserklärung hinausgeht.
„Es ist schön zu sehen, wie die Reaktivierung der WLE jetzt in großen Schritten Wirklichkeit wird: Die Züge sind schon da, und jetzt wird in Neubeckum die Werkstatt gebaut“, hatte Rehbaum beim Baustellenbesuch erklärt.
Für die Befürworter einer Verlängerung nach Süden ist genau das ein Argument, jetzt auch die weiteren Abschnitte planerisch vorzubereiten.
Noch ist die Strecke nicht bestellt
Trotz der nun demonstrierten Geschlossenheit bleibt allerdings festzuhalten: Eine Reaktivierung bis Lippstadt ist noch nicht beschlossen. Zwischen der grundsätzlichen Unterstützung und einem fahrenden Zug liegen noch mehrere Planungsschritte, Finanzierungsentscheidungen und letztlich politische Beschlüsse.
Mit dem aktuellen Austausch wollen Kommunen und WLE deshalb vor allem ein gemeinsames Signal setzen. Die Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass die Strecke wirtschaftlich interessant sein kann. Die möglichen Verlagerungseffekte vom Auto auf die Bahn sprechen für eine regionale Bedeutung. Und die bereits laufende Reaktivierung zwischen Münster und Sendenhorst schafft die infrastrukturelle und politische Grundlage für einen weiteren Blick nach Süden. Für Wadersloh und die übrigen Anliegerkommunen lautet die Botschaft daher: Die WLE soll nicht in Sendenhorst Endstation machen.
Der nächste entscheidende Schritt ist nun die Finanzierung der weiteren Planung. Erst wenn diese Frage geklärt ist, kann aus der bisher untersuchten Perspektive die konkrete Planung für eine mögliche WLE-Verbindung bis Lippstadt werden.
Symbolfotos/Text: B. Brüggenthies, Gruppenfoto: Büro H. Rehbaum, zus. Quellen: eigene Recherchen, diverse Pressenanfrage an MDB H. Rehbaum, Presseinformation zur WLE-Bahnwerkstatt (Archiv)



