Liesborn (mw/bb). Schmieden, drechseln, Lehm stampfen, Uhren reparieren oder einer alten Puppe wieder auf die Beine helfen: Beim nachgeholten Handwerkstag im Museum Abtei Liesborn wurde am Sonntag altes Handwerk wieder lebendig. Rund um das Museum Abtei Liesborn faszinierte die große Handwerkermeile mit mehr als 50 Ständen. Bei sommerlichen 27 Grad konnten Besucherinnen und Besucher nicht nur zuschauen, sondern viele Arbeitsschritte auch selbst ausprobieren und mit den Fachleuten ins Gespräch kommen.



Eigentlich hätte der traditionelle Handwerkstag bereits im Juni stattfinden sollen. Wegen der außergewöhnlich hohen Temperaturen war die Veranstaltung damals abgesagt worden. Am Sonntag wurde sie nun nachgeholt, ausnahmsweise an einem Sonntag und bei erneut sommerlichen Bedingungen. Rund um das Abtei-Areal reihten sich die Stände der Handwerker und Aussteller aneinander, während im Museum selbst weitere Vorführungen und Angebote warteten. Und schon auf dem Weg zum Museum war zu spüren, wie groß das Interesse war: Der Sightseeing-Doppeldecker-Bus aus dem benachbarten Lippstadt brachte gleich mehrfach busweise neue Gäste nach Liesborn.
Vom Pfannenschmied bis zum Puppendoktor: Das Handwerk zog magisch an
Anschaulich wurde im Liesedorf gezeigt, wie unterschiedlich die handwerklichen Tätigkeiten früher waren und welche davon bis heute überlebt haben (oder wieder schwer im kommen sind?): Pfannenschmied Stephan Ehmann zeigte, wie aus Metall ein Gebrauchsgegenstand entsteht. Der Dortmunder Lehmbaumeister Christoph Abel demonstrierte bei fast besten Bedingungen (aufgrund des Wetters trocknete der Lehm gut nach), wie traditionelle Lehmziegel hergestellt und Fachwerk mit Lehm verputzt wird. In der Museumsscheune war Drechsler Philipp Surmann bei der Arbeit zu sehen. Auch Holz spielte eine Rolle. Reinhard „Otti“ Ottensmann aus Wadersloh präsentierte sein Angebot rund um Holzschuhe und Geschenkideen. Skulpteur, Bildhauer und Gestalter Andreas Magera zeigte seine Bildhauer-Arbeiten und freute sich über den Austausch mit den jüngerne und älteren Besuchern, die sich direkt auch selbst an Hammer und Meißel ausprobieren konnten.







Wer einen ganz anderen Blick auf Handwerk werfen wollte, konnte im Refektorium die Miniaturwelten von Gisela Walkenhorst entdecken. Die Gütersloher Miniaturkünstlerin präsentierte ihre detailreichen Dioramen. Den Anfang ihrer Sammlung machte einst eine liebevoll gestaltete Miniaturbibliothek. In Liesborn waren weitere kleine Arbeiten erstmals zu sehen und sorgten für große Augen. Wo es sich gerade um Bücher dreht: Hubert Wilmsen aus dem Lippetal war erstmalig als Aussteller beim Handwerkstag dabei und faszinierte mit seinen einzigartigen Buchskulptur-Unikaten.



Und dann gab es noch die „medizinische Abteilung“ für Spielzeug: Puppendoktor Christian Schneider kümmerte sich um kranke und beschädigte Puppen und Stofftiere. Was für Besucher wie ein nostalgischer Gegenstand aussieht, kann für seine Besitzer schließlich ein echter Schatz sein. Auch Uhrmacher Oliver Rammert aus Stromberg zeigte, dass Reparieren nach wie vor ein Handwerk für Spezialisten ist. Wer einen alten Schatz zu Hause hat, konnte sich ebenso beraten lassen wie bei der Restaurierung von Gemälden und Holzskulpturen. Messerschleifer, Seilmacher, Riemenschneider und weitere Fachleute ergänzten das Angebot.




Selbst Hand anlegen war ebenfalls ausdrücklich erwünscht. In der Museumspädagogik standen diesmal Textilien im Mittelpunkt. Auch die Museumsfreunde waren im Einsatz. Im Treppenhaus informierte das ehrenamtliche Team über seine Arbeit und trug damit ebenfalls dazu bei, dass der Handwerkstag nicht nur eine Ausstellung von Gewerken, sondern ein lebendiger Museumstag rund um das Handwerk wurde.
Darf es noch ein leckeres Eis sein?
Und das Wetter? Das meinte es diesmal etwas besser mit dem Handwerkstag als beim ursprünglichen Termin im Juni. Bei immer noch sehr warmen 27 Grad wurde allerdings auch deutlich, warum das Eis an diesem Tag zu den meistgefragten „Handwerksprodukten“ gehörte. Und im Museumscafé wurden Getränke und Kuchen zeitweise im Akkord ausgegeben. Für eine besondere kulinarische Note sorgte außerdem das Münsterland-Siegel mit Kostproben und einem Aperitif. Wer zwischendurch eine Pause vom Handwerk einlegen wollte, konnte das Gelände rund um Abtei und und Kirche erkunden. Das Museum selbst war ebenfalls geöffnet.



Ein solcher (Handwerks-) Tag darf aus Sicht der MW-Redaktion gerne wiederkommen. Vielleicht beim nächsten Mal wieder an einem Sommer-Samstag. Dann bliebe am Folge-Sonntag genügend Zeit, die vielen Eindrücke vom alten Handwerk in Ruhe sacken zu lassen. Und vielleicht sogar, um direkt selbst mit einem Handwerk anzufangen?
Fotos/Text: B. Brüggenthies
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Weitere Fotos: Handwerkstag am Museum Abtei Liesborn















