Wadersloh (mw/bb). Es ist eine dieser Geschichten, wie sie nur das Vereinsleben schreibt: Der Kegelclub „Dicke Minna“, einer der ältesten und aktivsten Kegelclubs der Gemeinde Wadersloh, feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen – und blickt dabei auf Jahrzehnte voller Freundschaft und Geselligkeit zurück. Gegründet wurde die „Dicke Minna“ am 1. August 1955, benannt nach einem Ausspruch des ersten Kegelvaters Fritz Steinhoff, der bei missglückten Abräumversuchen mit Kranzwertung gerne schimpfte und dabei von einer „dicken Minna“ sprach. Aus dieser launigen Bemerkung wurde ein Name, aus dem Namen ein Club, der seit 70 Jahren zum vielfältigen Wadersloher Vereinsleben gehört.
Das Erfolgsrezept des langlebigen Kegelclubs liegt in seiner bunten Mischung. Mitglieder kommen aus verschiedenen Orten und unterschiedlichsten Berufen – vom Kriminalbeamten bis zum Schreiner, vom Malermeister bis zum Ingenieur. Was sie eint, ist der Spaß am Spiel und die Freude an der Gemeinschaft. „Diese Vielfalt ist es, die unseren Kegelclub auszeichnet“, sagt Helmut Wallmeier, langjähriger Schriftführer und Kassierer. Einer, der die Entwicklung der „Dicken Minna“ geprägt hat wie kaum ein anderer, ist Karl-Heinz Ludger. Der gebürtige Harsewinkler kam Mitte der 1960er über einen Nachbarn zum Club und wurde schnell in den Reihen der Kegelfreunde aufgenommen. 1965 trat er ein, heute ist er mit stolzen 60 Vereinsjahren der dienstälteste Kegler und seit Jahren Ehrenpräsident. Beruflich war er bei den Gloria-Werken tätig und freut sich bis heute über jeden Kegeltermin.
Anfangs kegelte man bei Eusterschulte, seit dem Jahr 2000 ist die Gaststätte Berlinghoff die Heimat der Kegler – inklusive Stammbahn, gutem Bier und bestem Essen. In den Anfangsjahren gab es keine automatische Aufstellung – und man spielte sogar „Pastorenkegeln“, bei dem eine Dose als sogenanntes „Heiliges Vorderholz“ nicht abgeräumt werden durfte. Jeder Kegelabend endet traditionell mit einem kleinen Pokalwettkampf (5 Wurf in die Vollen). Den Rekord hält Heinz Heitvogt, der 1999 ganze 40 Holz erzielte. Zweiter: Manni Kammermann mit 39 Holz im Jahr 2014. Auch Symbole der Vereinsgeschichte werden gepflegt: Die Frauen der damaligen Kegelbrüder stickten 1955 mit viel Liebe die erste Vereinsfahne (samt Darstellung der „Dicken Minna“). Der passende Untersatz aus handgeschmiedetem Kupfer stammt vom Gründungsmitglied Carl Cordes. Bis heute wird beides bei besonderen Anlässen mit Stolz gezeigt.

Die „Dicke Minna“ kann nicht nur sportlich, sondern auch gesellig: Seit rund 20 Jahren organisiert der Club jährlich eine mehrtägige Kegeltour innerhalb Deutschlands – mal an die Mosel, mal nach Leipzig, mal durchs Münsterland. Koordiniert wird das Ganze von Helmut Wallmeier, immer in Abstimmung mit dem amtierenden Kegelvater, der jährlich neu gewählt wird. Die Touren sind fester Bestandteil des Clublebens und sorgen für viele Anekdoten, von denen sich viele in akribisch geführten und reichlich bebilderten Erinnerungs-Alben wiederfinden.

Die „Dicke Minna“ denkt auch an ihre Wurzeln: Bei Jubiläen wird stets der verstorbenen Kegelbrüder gedacht. Gleichzeitig legt man Wert auf die Zukunft. Deshalb bemüht sich der Club, immer wieder neue Gesichter zu gewinnen. In diesem Sinne: Gut Holz – auf die nächsten zehn Jahre!
Fotos/Text: B. Brüggenthies


