Kreis Warendorf/Wadersloh (mw/bb). Die heutige (2. Oktober) Nachricht von MdB Henning Rehbaum, dass der Kreis Warendorf als eine von 38 Kommunen am „Agentic AI Hub“ teilnehmen darf, klingt zunächst vielversprechend. Wenn sich einzelne komplexe Verwaltungsverfahren tatsächlich von mehreren Wochen auf wenige Stunden verkürzen lassen (so wie einzelne Pilotprojekte es vermelden), ist das ein Fortschritt, über den sich Bürgerinnen und Bürger durchaus freuen dürfen. Doch bei aller „Begeisterung“ für das Hype-Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) sollte eine Frage nicht untergehen: Haben unsere Behörden eigentlich schon ausreichend klare Regeln dafür geschaffen, was KI in der Verwaltung darf und was besser weiterhin ein Mensch entscheiden sollte? | Ein Kommentar.
In unserer Kreis- aber auch der Gemeindeverwaltung geht es nicht rein um das Anträge-Abarbeiten. Ob an der Waldenburger oder der Liesborner Straße: Hinter jedem Antrag stehen Menschen, Lebenssituationen und nicht selten Entscheidungen, die teils erhebliche Folgen nach sich ziehen können. Wenn KI künftig Unterlagen sortiert, Sachverhalte bewertet, Texte erstellt oder Prozesse eigenständig anstößt, muss nachvollziehbar bleiben, wann eine Maschine beteiligt war, nach welchen Regeln sie gearbeitet hat und wer am Ende die Verantwortung trägt.
Gerade deshalb braucht es aus meiner Sicht zunächst viel klarere Leitlinien für den Einsatz solcher Systeme. Vor allem hinsichtlich der Transparenz. Die Bürgerinnen und Bürger in unserem Kreis und in unserer Gemeinde sollten wissen können, wenn eine KI an einem Verwaltungsprozess beteiligt war. So wird es ja schließlich seit Anfang August 2026 von Unternehmen eingefordert (Anm.: Seit dem 2. August gilt in der EU die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte nach Artikel 50 der europäischen KI-Verordnung.) Und noch viel wichtiger: Es muss jederzeit einen menschlichen Ansprechpartner geben, der eine Entscheidung nachvollziehen, korrigieren und verantworten kann.
Der zweifelhalfte Trend zur Automatisierung betrifft ja längst nicht mehr nur unsere Verwaltungen. Vereine, Verbände, Kommunen, politische Parteien, Unternehmen – ja selbst der Großteil des Bekanntenkreises – setzen inzwischen selbstverständlich auf KI. Der Blick in WhatsApp- und Insta-Stories verrät es. Das künstlich generierte Ergebnis lässt sich täglich im Internet beobachten: Künstlich erzeugte Textbeträge, immer gleiche Formulierungen und teilweise grotesk überfrachtete KI-Bilder, die mit der tatsächlichen Realität vor Ort nur noch wenig zu tun haben. Das wird im Fachjargon AI-Slop genannt, was soviel heisst wie massenhaft produzierte, digitale Inhalte von geringer inhaltlicher und zweifelhafter Qualität in Bezug auf ihre Ästhetik. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zum „Agentic AI Hub“.
KI in der Verwaltung mag auf den ersten Blick effizient sein. Es hat aber auch eine Kehrseite. Effizienz sollte nicht automatisch zum höchsten Gut in der Kommunalverwaltung werden. Wenn ein Verfahren statt drei Monaten künftig drei Stunden dauert, ist das zunächst erfreulich. Wenn dabei aber der persönliche Kontakt, die individuelle Prüfung oder gar die Möglichkeit verloren geht, einen besonderen Einzelfall überhaupt als solchen zu erkennen, wäre viel gewonnen und gleichzeitig etwas Wichtiges verloren. Der Kreis Warendorf hat mit seiner Teilnahme am „Agentic AI Hub“ nun die Möglichkeit, genau diese Fragen mitzudenken. KI kann Verwaltungsarbeit unterstützen. Sie sollte den Menschen aber nicht aus der Verantwortung nehmen.
Bleibt außerdem zu hoffen, dass die eingesetzte „agentische KI“ tatsächlich ausreichend abgesichert, kontrollierbar und transparent ist. Denn je eigenständiger KI Systeme künftig handeln, desto wichtiger wird die Frage, wer eigentlich noch die Kontrolle hat. Fortschritt braucht Geschwindigkeit. Vertrauen braucht Transparenz. Und beides sollte in der Verwaltung zusammengehören. In Warendorf und auch bei uns in Wadersloh.
Übrigens: Nach meiner Antragstellung für den gesetzlich notwendigen Führerschein-Umtausch geht der Bürgerservice davon aus, dass die Wartezeit für die Fertigstellung mehrere Monate dauern wird. Schöne, neue Digitalwelt.
Kommentar: B. Brüggenthies

