Diestedde (mw/bb). Das geplante Neubaugebiet âIn der Breedeâ am Entruper Weg in Diestedde geht in die nächste Runde. Im Bau-, Planungs- und Strukturausschuss der Gemeinde Wadersloh stand am Mittwochabend (16. September) unter dem TOP9 die frĂźhzeitige Beteiligung zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 82 sowie die damit verbundene Ănderung des Flächennutzungsplanes auf der Tagesordnung. Im Mittelpunkt der Beratung stand dabei weniger die grundsätzliche Frage nach neuen Bauplätzen als vielmehr die Frage, wie sich Wohnen und die bereits vorhandenen Sport-, Freizeit- und Veranstaltungsangebote rund um das Sport-Areal und Eventhaus „Schloss 6“ miteinander vereinbaren lassen.

Das städtebauliche Konzept war bereits im Februar dieses Jahres vorgestellt worden. Damals war eine Entwicklung in drei Bauabschnitten mit langfristig rund 80 Wohneinheiten skizziert worden. Inzwischen liegt der konkrete Entwurf fßr den Bebauungsplan vor. Fßr die aktuelle Planung konzentriert sich die Gemeinde zunächst auf die ersten beiden Bauabschnitte. Der dritte Bauabschnitt sei lediglich noch perspektivisch vorgesehen, erläuterte die Verwaltung. Damit soll zugleich auf die Diskussion um die weitere Siedlungsentwicklung reagiert werden.

Das Plangebiet liegt in unmittelbarer Nähe zu Grundschule, Sporthalle und verschiedenen Freizeitflächen. NĂśrdlich befinden sich unter anderem die Sportanlagen des SV Diestedde und des Tennisvereins, der Bikepark, der Multifunktions-Court und die Bogensportanlage. Hinzu kommen der SchĂźtzenplatz und das Eventhaus âSchloss 6â, in dem unter anderem der Musikverein Musikus Diestedde probt. Gerade die räumliche Nähe zu diesen Nutzungen hatte bereits bei der ersten Vorstellung des Baugebiets fĂźr Fragen gesorgt.
Lärmgutachten kommt zu positiven Ergebnissen
FĂźr die weitere Planung hat die Gemeindeverwaltung die Geräuschsituation untersuchen lassen. Das IngenieurbĂźro RP Schalltechnik aus OsnabrĂźck hatte im August 2026 zwei Fachbeiträge zu Verkehrslärm sowie Sport- und Freizeitlärm erstellt. Dabei wurden neben dem regulären Sportbetrieb auch verschiedene Freizeitveranstaltungen berĂźcksichtigt. Beim Verkehrslärm werden die Orientierungswerte der DIN 18005 fĂźr Allgemeine Wohngebiete tagsĂźber innerhalb der geplanten Bauflächen eingehalten. Lediglich entlang des Entruper Weges kommt es nachts in einem begrenzten Bereich zu geringfĂźgigen Ăberschreitungen. Hier soll im Bebauungsplan mit passiven SchallschutzmaĂnahmen reagiert werden.
Deutlich wichtiger fĂźr die politische Diskussion war allerdings der Sport- und Freizeitlärm. Nach den Berechnungen werden die maĂgeblichen Richtwerte der 18. Bundes-Immissionsschutzverordnung an den untersuchten Punkten innerhalb des Plangebiets eingehalten. Dies gilt sowohl fĂźr Werktage als auch fĂźr Sonn- und Feiertage. Auch die zulässigen Spitzenpegel werden laut Gutachten unterschritten. Aktive oder passive SchallschutzmaĂnahmen seien deshalb aufgrund des Sportlärms nicht erforderlich.
Auch die Freizeitnutzungen wurden untersucht. Dazu gehĂśrten die regelmäĂigen Proben des Musikvereins Musikus sowie das MCD-Motorradtreffen und das SchĂźtzenfest auf dem Festplatz. FĂźr die beiden letztgenannten Veranstaltungen wurden die hĂśheren Richtwerte fĂźr sogenannte seltene Ereignisse zugrunde gelegt. Auch hier kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass die maĂgeblichen Werte eingehalten werden.
Aus Sicht der vorliegenden Fachbeiträge steht damit dem geplanten Wohngebiet grundsätzlich kein immissionsschutzrechtlicher Konflikt entgegen. Die konkreten Schallschutzanforderungen werden im weiteren Bebauungsplanverfahren festgelegt.
âKeine konkreten Messungenâ: Diskussion Ăźber das SchĂźtzenfest
In der Ausschusssitzung zeigte sich allerdings, dass die rechnerischen Ergebnisse nicht automatisch alle Bedenken ausräumen. Dr. Ulrike Keitlinghaus (CDU) bezeichnete das Thema Lärm als entscheidend und hinterfragte insbesondere, wie belastbar die Berechnungen fĂźr auĂergewĂśhnliche Veranstaltungen seien. Sie verwies dabei unter anderem auf das SchĂźtzenfest und die dort wahrnehmbare Geräuschkulisse.

Die Verwaltung verwies dagegen auf die Vorgehensweise des Gutachtens. Gemeindemitararbeiter Andreas TĂśnnies erläuterte, dass mit den entsprechenden Annahmen auch mĂśgliche Belastungssituationen berĂźcksichtigt worden seien. Zudem habe die Gemeinde Gespräche mit den Vereinen gefĂźhrt und deren Aktivitäten Ăźber einen Fragebogen erfasst. Auch das Eventhaus âSchloss 6â sei in die Betrachtung einbezogen worden. BĂźrgermeister Christian Thegelkamp betonte, dass die Verwaltung die PrĂźfung gewissenhaft vorgenommen habe.
Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass es nicht nur um die Frage geht, ob die Grenz- und Richtwerte rechnerisch eingehalten werden. Fßr die Ürtlichen Vereine und Veranstalter geht es auch um die Frage, ob ihre bestehenden Angebote dauerhaft ohne Einschränkungen fortgefßhrt werden kÜnnen. Aus der Bßrgerschaft war bereits zu Beginn der Sitzung in der Einwohnerfragestunde entsprechend auf den Erhalt von Sportplatz und Kulturveranstaltungen hingewiesen worden. Verbunden war dies mit der Sorge, dass Beschwerden kßnftiger Anwohner zu Einschränkungen bei bestehenden Veranstaltungen fßhren kÜnnten. Als Negativbeispiele wurde die Situation rund um den Klosterhof in Liesborn benannt.
Das Baugebiet soll Schritt fĂźr Schritt entwickelt werden
Bei der weiteren Planung zeichnet sich inzwischen eine vorsichtigere Vorgehensweise ab. Während das ursprßngliche Konzept noch drei Bauabschnitte vorsah, liegt der Fokus aktuell auf den ersten beiden Abschnitten. Der dritte Abschnitt (am Klärwerk und in direkter Nachbarschaft zu den Sportanlagen) soll zunächst nicht umgesetzt werden. Damit bleibt die grundsätzliche Perspektive fßr eine spätere Entwicklung zwar erhalten, gleichzeitig wird die konkrete Planung zunächst auf den Bereich beschränkt, der näher an der bestehenden Siedlung liegt.

Der Ausschuss befasste sich damit nicht mehr nur mit einem städtebaulichen Entwurf, sondern mit dem nächsten formellen Schritt. Der Bebauungsplan Nr. 82 âIn der Breedeâ und die 38. Ănderung des Flächennutzungsplanes sollen in die frĂźhzeitige Beteiligung gehen. BehĂśrden und Träger Ăśffentlicher Belange werden beteiligt, zudem wird die Ăffentlichkeit Gelegenheit erhalten, Stellungnahmen zur Planung abzugeben. Bis zum tatsächlichen Baubeginn ist ohnehin noch Zeit. BĂźrgermeister Thegelkamp verwies in der Einwohnerfragestunde darauf, dass die weitere Planung noch etwa eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen kĂśnne, bevor tatsächlich die Bagger rollen. Gerade deshalb sollen die nun anstehenden Verfahrensschritte genutzt werden, um offene Fragen zu klären.
Grundsätzliche Zustimmung, aber weitere Diskussion angekßndigt
In der Ausschussberatung Ăźberwog letztlich die Bereitschaft, das Verfahren weiterzufĂźhren. Gleichzeitig zeigte die Debatte, dass die Nachbarschaft von Wohnbebauung und bestehenden Sport- und Freizeitangeboten in Diestedde weiter aufmerksam begleitet werden dĂźrfte. Denn âIn der Breedeâ entsteht nicht irgendwo am Rand des Ortes, sondern in einem Bereich, der bereits heute von Vereinsleben, Sport und Veranstaltungen geprägt ist. Die vorliegenden Gutachten bescheinigen der Planung grundsätzlich die immissionsschutzrechtliche Umsetzbarkeit. Die politische und gesellschaftliche Frage, wie das kĂźnftige Wohnquartier und das bestehende Diestedder Vereins- und Veranstaltungsleben miteinander funktionieren, wird damit allerdings nicht automatisch beendet.

Die nächste Station der Planung ist nun die frßhzeitige Beteiligung. Es folgen noch weitere Beratungsschritte (Hauptausschuss am 28. September und Rat am 12. Oktober), bevor ßber die konkrete Ausgestaltung des Bebauungsplanes entschieden wird.
Fotos/Text: B. BrĂźggenthies; Grafik: PlanungsbĂźro Drees und Huesmann
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