Diestedde/Wadersloh (mw/bb). Die geplante Sanierung und der Ausbau des Altbaus am Grundschulstandort Diestedde haben am Montagabend den Ausschuss für Schule, Kultur und Sport der Gemeinde Wadersloh beschäftigt. Vorgestellt wurde ein konkreter Vorentwurf des Ahlener Architekturbüros Tripp Wördemann, der insbesondere die räumliche Situation des Offenen Ganztags (OGS) verbessern soll. Eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung des Projekts wurde noch nicht getroffen. Der Ausschuss stimmte jedoch einstimmig dafür, die Planung weiterzuverfolgen und mögliche Fördermittel zu prüfen.

Rund 50 Kinder – bislang nur ein Betreuungsraum
Dezernent Elmar Ahlke erläuterte zunächst die Ausgangslage: Im Diestedder Grundschulstandort werden derzeit rund 50 Kinder im Rahmen von OGS und Betreuung versorgt. Dafür steht im Altbau im Wesentlichen ein rund 55 Quadratmeter großer Betreuungsraum zur Verfügung. Der Essensraum wird ebenfalls genutzt, steht aufgrund der Doppelnutzung und damit verbundener organisatorischer und hygienischer Fragen jedoch nicht uneingeschränkt als zusätzlicher Betreuungsraum zur Verfügung. Rückzugs- und Funktionsräume fehlen ebenso wie ein eigenes Büro, ein Personalraum und eine eigene Personaltoilette. Ein akuter Engpass bestehe zwar derzeit nicht, erklärte Ahlke. Die räumliche Ausstattung entspreche allerdings nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemäße Ganztagsbetreuung. Auch vom Betreuungspersonal sei die Situation entsprechend zurückgespiegelt worden. Gleichzeitig müsse davon ausgegangen werden, dass künftig noch mehr Kinder betreut werden. Das Hauptgebäude der Grundschule am Alten Kirchplatz/Lange Straße bietet nach Angaben der Gemeindeverwaltung keine zusätzlichen Raumreserven. Die vier Klassenräume seien bereits gut ausgelastet.
Obergeschoss des alten Ateliers Klenk soll zur OGS-Fläche werden
Architekt Christian Tripp vom Büro Tripp Wördemann stellte anschließend den Vorentwurf vor. Das Gebäude sei deutlich in die Jahre gekommen. Die notwendige Dachsanierung biete deshalb die Möglichkeit, gleichzeitig das bislang weitgehend ungenutzte Obergeschoss für die OGS weiterzuentwickeln. Auf der linken Seite des Obergeschosses sollen mehrere kleinere Räume zu einem größeren Raum zusammengeführt werden. Hier könnte künftig ein großzügiger OGS-Betreuungsraum entstehen. Auf der rechten Seite sind unter anderem Nebenräume, ein Personalraum, eine Personaltoilette sowie Flächen für eine mögliche Drittnutzung vorgesehen. Auch ein Büro für die OGS ist geplant. Dieses soll einen Sichtkontakt zum Schulhof ermöglichen und gleichzeitig besser belichtet werden. Für die OGS ist zudem ein zusätzlicher Ausgang vorgesehen. Der Essensraum im Erdgeschoss soll als eigenständiger Raum erhalten bleiben.


Dachsanierung ermöglicht zusätzliche Maßnahmen
Die Sanierung des Gebäudes geht über einen reinen Innenausbau hinaus: Das Dach des Gebäudes ist ohnehin sanierungsbedürftig. Im Zuge der Maßnahme soll deshalb auch eine energetische und konstruktive Ertüchtigung erfolgen. Vorgesehen sind unter anderem eine Dämmung der Geschossdecke, ein schmaler Fußbodenaufbau sowie eine abgehängte Decke zur Verbesserung der Akustik. Auch in das bestehende Treppenhaus muss eingegriffen werden. Im Obergeschoss soll dieses brandschutztechnisch abgetrennt werden. Eine besondere Herausforderung stellt der zweite Rettungsweg dar. Über eine vorhandene Gaube soll eine bauliche Lösung geschaffen werden. Vorgesehen ist eine Rettungstreppe aus Stahl. Der bestehende Kellerraum mit einer Raumhöhe von lediglich rund 1,70 Metern soll hingegen erhalten bleiben und nicht für die neuen OGS-Flächen hergerichtet werden. Auf der Rückseite des Gebäudes ist außerdem ein barrierefreier Zugang zum Erdgeschoss vorgesehen.
Kosten von rund 898.000 Euro
Die derzeitige Kostenschätzung für das Gesamtvorhaben liegt bei rund 898.000 Euro. Darin enthalten sind unter anderem etwa 150.000 Euro für die Dachsanierung. Für energetische Maßnahmen wurde nach Angaben der Verwaltung bereits eine Förderung in Höhe von rund 49.000 Euro in Aussicht gestellt. Weitere Fördermöglichkeiten werden derzeit geprüft. Wie hoch die tatsächliche Förderung am Ende ausfallen kann, ist allerdings noch offen. Kämmerer Norbert Morfeld erklärte, dass derzeit noch keine belastbaren Angaben zu weiteren Fördermitteln gemacht werden könnten. Grundsätzlich komme unter anderem ein Infrastrukturprogramm infrage. Darüber hinaus werde nach zusätzlichen Fördermöglichkeiten gesucht. Damit blieb im Ausschuss auch die Frage offen, wie das Projekt finanziell umgesetzt werden kann, sollte die erhoffte Förderung nicht oder nur teilweise bewilligt werden.
Verbindung mit dem Hauptgebäude bleibt Wunsch, ist aber derzeit zu teuer
Mehrfach wurde im Ausschuss auch die Frage einer möglichen Verbindung zwischen dem Altbau und dem Hauptgebäude der Grundschule angesprochen. Inge Mittag-Nienaber, Leiterin des Grundschulverbunds, verwies darauf, dass eine Verbindung der beiden Gebäude aus pädagogischer Sicht sinnvoll wäre. Damit könnten Räume gemeinsam genutzt und insbesondere auch die derzeitige Toilettensituation verbessert werden. Die vorhandenen Außentoiletten könnten perspektivisch in das Gebäude integriert werden. Gleichzeitig gebe es derzeit erhebliche organisatorische Probleme, insbesondere im Hinblick auf die Aufsichtspflicht und die räumliche Trennung. Auch ein entsprechendes Schutzkonzept sei bei einer Verbindung der Gebäude zu berücksichtigen. Bürgermeister Christian Thegelkamp machte deutlich, dass eine solche Lösung derzeit aus Kostengründen nicht realistisch sei. Die Gebäude lägen zwar nur etwa 10 bis 20 Meter auseinander, eine Verbindung würde jedoch einen erheblichen zusätzlichen baulichen Aufwand verursachen. Auch die Möglichkeit, stattdessen gemeindeeigene Gebäude („Plaßmann“) im Umfeld stärker einzubeziehen, wurde angesprochen. Eine nähere Betrachtung der Gebäude habe allerdings gezeigt, dass dort ebenfalls schwierige bauliche Voraussetzungen bestünden und teilweise größere Entfernungen zum Schulstandort gegeben seien.
Fragen zu Toiletten, Kapazität und Fördermitteln
In der politischen Diskussion ging es auch um Details der geplanten Ausstattung. Alexandra Flürenbrock (CDU) fragte unter anderem nach der vorgesehenen Personaltoilette und der Trennung nach Geschlechtern. Die Verwaltung und der Archtitekt verwiesen darauf, dass bei einer entsprechenden Personenzahl eine getrennte Ausführung nicht zwingend erforderlich sei und der Trend zunehmend zu Unisex-Toiletten gehe. Jan Kroner (FWG) erkundigte sich nach den Schüler-WCs im OGS-Teil. Diese seien in der aktuellen Planung nicht vorgesehen. Auch die künftige Kapazität der OGS war Thema. Elmar Ahlke erklärte, eine genaue Berechnung sei schwierig. Die geplante Maßnahme stelle für die Kinder vor Ort aber einen deutlichen Sprung nach vorne dar. Sollte sich der Bedarf künftig anders entwickeln, müssten gegebenenfalls neue Lösungen gefunden werden. Nach Einschätzung des Bürgermeisters dürfte die geplante Kapazität für die kommenden Jahre ausreichen.
Politik begrüßt Investition: Finanzierung bleibt entscheidend
Grundsätzlich stieß die vorgestellte Planung im Ausschuss auf Zustimmung. Jürgen Rühl (CDU) sprach sich dafür aus, zunächst die möglichen Förderungen zu prüfen. Hubert Funke (FWG) begrüßte ebenfalls, dass in den Standort investiert werden soll. Auch die Idee einer möglichen Verbindung der beiden Schulgebäude solle nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Elisabeth Hollenhorst (GRÜNE) stellte die grundsätzliche Frage nach der Finanzierung und verwies darauf, dass Bildung als Infrastrukturaufgabe betrachtet werden müsse. Es solle geprüft werden, ob weitere Budgets oder Fördermöglichkeiten genutzt werden könnten. Dr. Klaus Blex (AfD) fragte nach den Chancen auf Fördermittel und nach einem möglichen Plan B, falls die Förderungen nicht in der erwarteten Höhe fließen. Bürgermeister Christian Thegelkamp betonte unterdessen die besondere Bedeutung des Gebäudes für Diestedde. Der Altbau sei ein ortsbildprägendes und ortsbestimmendes Gebäude. Die ohnehin notwendige Dachsanierung biete daher die Chance, gleichzeitig einen Blick auf die weitere Nutzung des Gebäudes zu werfen.
Einstimmiges Votum für die weitere Beratung in den Ausschüssen
Am Ende der Erstberatung herrschte Einigkeit darüber, dass die Planung weiterverfolgt werden soll. Der Ausschuss stimmte einstimmig dafür, die Verwaltung mit der weiteren Bearbeitung des Vorhabens und der Prüfung entsprechender Fördermöglichkeiten zu beauftragen. Eine endgültige Entscheidung über die Sanierung und den Ausbau des Altbaus ist damit noch nicht gefallen. Das Thema wird nun in den weiteren politischen Gremien beraten. Vorgesehen sind Beratungen im Bau-, Planungs- und Strukturausschuss am 16. September, im Hauptausschuss am 28. September und abschließend im Rat der Gemeinde Wadersloh am 12. Oktober 2026. Bis dahin dürfte insbesondere die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Fördermittel tatsächlich zur Verfügung stehen und wie hoch der kommunale Eigenanteil bei den derzeit auf rund 898.000 Euro geschätzten Gesamtkosten ausfallen wird.

