Wadersloh (mw/bb). Mit einer bewegenden Schützenmesse in der Pfarrkirche St. Margareta begann am Morgenmorgen der finale Festtag des Schützenvereins St. Margarethen Wadersloh. Pfarrer Martin Klüsener begrüßte die Schützenfamilie, darunter König Olaf Neumann mit Königin Diana Brinkmann und Hofstaat sowie Bürgermeister Christian Thegelkamp. In seiner Ansprache schlug Klüsener einen eindrucksvollen Bogen zwischen Tradition, gelebtem Glauben und gesellschaftlicher Verantwortung. Schützenfest-Major Michael Bernzen tauschte am Vormittag die Schützenfest-Uniform gegen die Dalmatik und konzelebrierte am Altar.
Im Zentrum der Predigt von Pfarrer Klüsener stand ein bemerkenswertes Jubiläum: Vor genau 100 Jahren wurde mit Louis Gutmann erstmals ein jüdischer Mitbürger zum Schützenkönig in Wadersloh gekrönt (MW berichtete). Für Pastor Klüsener ein starkes Symbol des Miteinanders und ein Mahnmal zugleich. Denn wenige Jahre später wurde das friedliche Zusammenleben durch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zerstört. Klüsener erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, die kurz vor ihrem Tod den Appell äußerte: „Seid Menschen, seid vernünftig.“ Ein Satz, der für den Pfarrer auch heute Leitlinie sein sollte, gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spaltung. „Was macht einen Schützen aus?“, fragte Klüsener und gab selbst die Antwort: Heimatverbundenheit, Gemeinschaftssinn und auch Geschichtsbewusstsein. Der Schützenverein, so Klüsener, könne ein Gegenmodell zur Polarisierung in der Gesellschaft sein: „Wer bei uns mitmacht, macht unsere Gemeinschaft stark.“ Werte wie Respekt, Offenheit und Verantwortung seien das wahre Fundament des Vereins.


Neben der Lesung (vorgetragen von Stefan Wapelhorst) aus dem Römerbrief – als Appell an gegenseitige Achtung, Geduld und Friedfertigkeit – und dem Evangelium über das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe standen auch Fürbitten für den Frieden, für die Jungschützen (60-jähriges Bestehen) und die Jubilarkompanie (70 Jahre) im Mittelpunkt. Besonders gedacht wurde den vielen Verstorbenen aus der Schützengemeinschaft, deren Namen verlesen wurden, verbunden mit dem Versprechen, ihr Erbe fortzuführen. Eine Stele am Altar trug die Inschrift: „Ihr bleibt ein Teil von uns.“ Ein symbolisches Zeichen der Verbundenheit setzte die Jungschützenkompanie, die am Altar Holzkreuze für die Verstorbenen niederlegte. Diese sollten im Anschluss an den Gottesdienst zu den Gräbern getragen werden.
Diakon Michael Bernzen rief zur Kollekte auf, die in diesem Jahr dem Jubiläum des Gymnasiums Johanneum zur Unterstützung der geplanten Assisi-Fahrt zugutekommen soll. Unter dem Motto „Alle fahren mit – keiner bleibt zu Hause“ soll ein Fonds auch finanzschwächeren Familien die Teilnahme ermöglichen.

Zum Abschluss der Messe sprach Pfarrer Klüsener einen besonderen Dank an alle Mitwirkenden aus, darunter besonders Stefan Wapelhorst für seine Impulse zur inhaltlichen Gestaltung sowie einen herzlichen Gruß an den in diesem Jahr verhinderten Oberst Rudi Vienenkötter. Mit einem Augenzwinkern überreichte ein Messdiener eine „gesunde Gabe mit vielen Kräutern“. Für die musikalische Ausgestaltung des Festhochamts zeichnete die Feuerwehrkapelle Liesborn unter Leitung von Frederik Quante verantwortlich. Im Zeichen enger Verbundenheit unter den Vereinen und Orchestern unterstützte der Musikverein Obing mit Gastmusikern die Kapelle.
Mit einem Segen beschloss Pastor Klüsener den Gottesdienst und formulierte den zentralen Wunsch dieses Tages in einem einfachen, aber eindringlichen Satz: „Segne uns alle, dass wir Menschen bleiben und vernünftig.“
Foto/Text: mw/bb.

