Wadersloh (mw/bb). Es gibt sie noch beziehungsweise bald wieder: Diese kleinen, verwinkelten Orte, die auf wenigen Quadratmetern erstaunlich viel Platz für Geselligkeit, Gemütlichkeit und gute Gespräche bieten. Einen solchen Ort möchte Rosario Mancuso im Herzen von Wadersloh schaffen. Im Laufe des Oktobers eröffnet der Liesborner am Kirchplatz beziehungsweise an der Wilhelmstraße seine kleine Weinbar „Pane Vino“. „Pane Vino“ oder Brot und Wein stehen für ein Stück italienische Lebensart und für das, was der gebürtige Sizilianer seit Jahrzehnten auch in Deutschland lebt: Gastfreundschaft, gutes Essen, einen Espresso und ein Glas Wein in geselliger Runde. Alles das ist tief verwurzelt in der italienischen Seele. Dabei begann die Geschichte des „Pane Vino“ in Wadersloh mit einem Zufall.
Ein folgenreicher Spaziergang und eine spontane Idee
Anfang 2026 war Rosario Mancuso mit seiner Lebensgefährtin Silvia in Wadersloh unterwegs, als sein Blick auf das alte Stallgebäude an der Wilhelmstraße fiel. Ein unscheinbarer Bau, dessen schöne Giebelfassade schon etwas in die Jahre gekommen war und der lange Zeit kaum genutzt wurde. Für Mancuso war es Liebe auf den ersten Blick. „Dieses kleine Haus, das will ich haben“, dachte er sich. Also klingelte er kurzerhand beim Eigentümer und fragte, was er tun müsse, um das Gebäude zu kaufen. Eigentlich hatte er zunächst daran gedacht, es zu mieten. Am Ende wurde es anders: Mancuso kaufte das 1910 errichtete Stallgebäude, das zum angrenzenden Haus an der Wilhelmstraße 4 gehört. Die Eingangstür zeigt allerdings zum Kirchplatz.




Damit war der erste Schritt zu seinem kleinen Lebenstraum gemacht. Denn eine kleine Weinbar hatte sich Mancuso schon lange gewünscht. Einen Ort, an dem man sich mit Freunden trifft, ein Glas Wein trinkt, einen Espresso genießt oder eine Kleinigkeit aus der italienischen Küche probiert. Nicht groß, nicht laut und nicht kompliziert. Dafür persönlich und gemütlich.
40 Jahre Gastronomieerfahrung gebündelt in einer kleinen Weinbar
Mancuso bringt dafür reichlich Erfahrung mit. Seit rund 40 Jahren ist er in der Gastronomie tätig. Gelernt hat er das Handwerk von der Pike auf, unter anderem in Wiedenbrück bei „Filippo“. 15 Jahre war er nach der Ausbildung in Geseke-Störmede gastronomisch tätig, anschließend legte er eine vierjährige Pause ein und kehrte in dieser Zeit in seine sizilianische Heimat zurück. Danach führte sein Weg nach Liesborn. Rund 20 Jahre lang war er für die Bahnhofsgaststätte verantwortlich. Seit 2021 wird diese von seinem Sohn Tony als „La Casa“ weitergeführt. Jetzt also noch einmal etwas Neues. Und zugleich etwas, das für Mancuso eigentlich schon lange oder eigentlich schon immer feststand: „Ich wollte im Alter immer noch einmal eine kleine Weinbar haben“, erzählt er lachend. Mit dem „Pane Vino“ ist dieser Wunsch nun Wirklichkeit geworden.
Schritt für Schritt zum Lebenstraum: (Fast) alles ist selbst gemacht
Wer das kleine Gebäude betritt, erkennt schnell, dass hier nicht einfach ein Gastraum eingerichtet wurde. Fast jede Ecke trägt die Handschrift des neuen Hausherrn. Rosario Mancuso hat selbst Wände verputzt, Strukturen in den Putz eingearbeitet und daraus eine rustikale Steinoptik entstehen lassen. Er hat Böden erneuert, die kleine Bar und die Theke selbst gebaut und auch die Tische stammen aus seiner eigenen Werkstatt. Einige davon sind sogar höhenverstellbar. Die Dachpfannen wurden von einem Fachbetrieb erneuert, die Elektrik ebenfalls fachgerecht ausgeführt. Vieles andere aber hat Mancuso selbst in die Hand genommen. Manchmal findet sich seine Handschrift sogar wortwörtlich im Gebäude: Seine Initialen „M“ und „R“ tauchen an verschiedenen Stellen im Mauerwerk auf. „Es war viel Arbeit, aber ich bin einfach so glücklich, dass wir hier etwas Bleibendes für Wadersloh geschaffen haben“, sagt Mancuso bei einem Espresso. Und genau dieses Gefühl vermittelt der kleine verwinkelte Gast-Raum.


Italienische Lebensfreude auf wenigen Quadratmetern
Rund 20 Gäste sollen künftig im „Pane Vino“ Platz finden. Das Ambiente ist bewusst warm und rustikal gehalten. Naturtöne, kleine Details und Bilder an den Wänden vermitteln eher das Gefühl eines kleinen italienischen Straßencafés als das einer klassischen Gaststätte. Für die liebevolle Dekoration war Mancusos Lebensgefährtin Silvia verantwortlich. Auch für sie ist das „Pane Vino“ schnell zu einem Herzensprojekt geworden. „Er hat immer davon geredet. Und als er im Januar dort geklingelt hat, wussten wir beide: Das wird etwas sehr Schönes“, erzählt sie. Zum Konzept gehören Wein und italienischer Kaffee ebenso wie alkoholfreie Getränke. Morgens darf es auch einfach einmal ein kleiner Espresso sein. Dazu sind Antipasti, kleine Snacks sowie wechselnde Tafel- und Wochenangebote geplant. Eine klassische Speisekarte mit großem gastronomischem Aufwand soll es hingegen nicht geben. Das „Pane Vino“ soll klein und persönlich bleiben.
Keine festen Öffnungszeiten: „Wenn die Tür geöffnet ist, kommen Sie gerne herein“
Auch bei den Öffnungszeiten geht Mancuso einen etwas anderen Weg. Feste Öffnungszeiten soll es zunächst nicht geben. Vor allem an den Wochenenden soll die kleine Weinbar geöffnet sein. Darüber hinaus sind spontane Öffnungen und Termine nach Absprache möglich. Auch kleinere Familienfeiern sind denkbar. Gerade in der Vorweihnachtszeit könnte das „Pane Vino“ damit zu einem kleinen Treffpunkt für besondere Anlässe werden. Im kommenden Sommer kommt noch ein weiterer Pluspunkt hinzu: Zwischen den Gebäuden befindet sich ein kleiner Außenbereich. Wenn das Wetter mitspielt, sollen dort künftig Gäste sitzen, ein Glas Wein trinken und die Atmosphäre am Kirchplatz mit Blick auf die Pfarrkirche St. Margareta genießen können.
Das „Pane Vino“ ist ein Herzens- und ein Familienprojekt
Dass aus dem alten Stallgebäude ein solcher Ort werden konnte, freut nicht nur Rosario Mancuso und Silvia Lynen. Auch die Familie hat die Entstehung aufmerksam verfolgt. Sohn Tony schaute ebenso vorbei wie die Enkel Maxim, Rosario Junior und Pietro. Sie wollten natürlich sehen, was der Großvater beziehungsweise Vater aus dem alten Gebäude gemacht hat. Und das Ergebnis sorgt für Staunen: Aus einem lange Zeit kaum beachteten Stall ist ein kleiner, gemütlicher Treffpunkt geworden. Im Laufe des Oktobers soll das „Pane Vino“ seinen Betrieb aufnehmen. Dann geht an der Ecke von Kirchplatz und Wilhelmstraße eine Tür auf, hinter der sich auf wenigen Quadratmetern ziemlich viel von dem verbirgt, was Rosario Mancuso sein Leben lang mit Gastronomie verbunden hat: Ein Gläschen Wein, ein Espresso, ein paar Kleinigkeiten zu essen und vor allem Zeit für Menschen. Oder, ganz italienisch gesagt: Pane e Vino. Brot und Wein. Und am besten ein paar gute Menschen dazu.


Kontaktdaten
Pane Vino, Inh. Rosario Mancuso | Wilhelmstraße 4, 59329 Wadersloh | Telefon/Whatsapp: 0171-9624929 | Öffnungszeiten: Wenn die Tür geöffnet ist, kommen Sie gerne herein. Wenn sie geschlossen ist, wird gerne nach Vereinbarung geöffnet.
Fotos/Text: B. Brüggenthies, Disclaimer: Werbung


